Einmal Budweis und zurück

Budweis, früher Nachmittag: Eine österreichische Reisegruppe hat die Führung durch die Budweiser-Brauerei gebucht. Die ersten Biere des Tages haben sie ganz offensichtlich bereits während des vorangegangenen Mittagessens verkostet – nun stehen die Österreicher aufgeregt schnatternd im sterilen Vorraum des Besucherzentrums. In einer langen Vitrine werden überteuerte Biergläser und Humpen mit Brauereilogo zum Kauf angeboten. Eine Weltuhr zeigt die Zeit in Budvar, Moskau, Tokyo und New York an. Jedenfalls theoretisch, denn die Zeiger stehen eingefroren auf 12 Uhr. Die Österreicher stört das nicht, sie sind wegen dem Bier hier.

Der Führer, ein rundlicher Tscheche im mittleren Alter, erklärt die verschiedenen Sorten. Er rattert Lagerzeiten und Alkoholgehalte herunter und empfiehlt besonders das Starkbier („Danach schlafen Sie wie ein Baby“). Dann geht es auf das Betriebsgelände: An großen Lagertanks vorbei marschiert die Gruppe ins Sudhaus. In kupfern glänzenden Kesseln wird aus Malz und Wasser die Maische gekocht und so der Sud für das Bier hergestellt. „Puuh, ist das warm hier“, stöhnen die Österreicher. Einige Frauen halten sich angewidert Tücher vor die Nase, äußern ihren Unmut über den gärigen Biergeruch. Der Führer erläutert unbeirrt den Brauprozess, kämpft um die Aufmerksamkeit der Gruppe. Aus seiner Sicht ist Hopfen und Malz noch nicht verloren.


1,3 Millionen Hektoliter Bier werden hier jedes Jahr hergestellt – etwa die Hälfte davon trinken die Tschechen selber, der Rest wird in alle Welt exportiert. Unter dem schönen Kupfer verbirgt sich ein Edelstahlkessel.

Vom warmen Sudhaus geht es in den Lagerkeller. Kalt ist es hier, die Temperaturen liegen kaum über dem Gefrierpunkt. Die Österreicher bibbern. Freudig zapft ein Kollege des Führers ein Bierfass an, lässt das junge Gebräu in Plastikbecher laufen. Zähneklappernd nehmen die Österreicher die Becher in Empfang. Der Bierdurst hält sich in Grenzen. „Es soll nichts übrig bleiben“, ruft der Führer und nimmt sich selbst noch einen Becher.

So viel Bier, so wenig Mitarbeiter: Das Flaschenkarussel im Video

Die Flaschenabfüllanlage ist sicherlich der faszinierendste Teil der Führung: In wahnsinniger Geschwindigkeit werden hier bis zu 40.000 Flaschen pro Stunde gewaschen, befüllt und mit Etiketten beklebt. Sogar eine Maschine für die automatische Verpackung in Sixpacks gibt es. Klimpernd werden die Flaschen auf dem Laufband in Position geschoben, die vorgestanzte Pappe gleitet von oben heran, wird gefaltet und verklebt. Jeweils vier Sixpacks passen in eine Kiste, auch das läuft vollautomatisch. Laut ist es hier, aber das hört kaum jemand: Die wenigen Mitarbeiter müssen nur eingreifen, wenn es nicht rund läuft und sich etwa Flaschen auf den Laufbändern verhaken. Fasziniert knipsen die Österreicher Fotos, posieren vor dem Maschinenpark. Doch der Führer drängt zur Eile, eine Stunde ist schließlich fast rum. Draußen im Besucherzentrum wartet schon die nächste Gruppe auf ihren Ausflug in das Land des Bieres.

Noch ein Video: Trotz der vielen Flaschen entsteht kein Stau

Mehr Bier? Auf der Budvar-Webseite gibt es eine virtuelle Tour durch die Brauerei mit 360°-Ansichten und deutschen Texten.

One thought on “Einmal Budweis und zurück

  1. Da hätte ich auch gern einmal Bier verkostet. 🙂

    „Ein rundlicher Tscheche im mittleren Alter“ ist nichts Außergewöhnliches in der Tschechei. Ob allerdings immer das Bier für die Rundungen verantwortlich ist, muss wohl noch geklärt werden.
    Es könnte auch das üppige Essen wie Knödel, Hefeklöße, Griebenplätzchen und Kartoffelnudeln die Rundungen bewirken.
    Auf jeden Fall liebt der Tscheche sein Bier nach dem Essen und den Mittagsschlaf „wie ein Baby“ nach dem Bier.

    Schöne Reportage. Beim nächsten Mal, wo es Bierchen gibt, nimmst Du mich mit!

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