Das Blogonade Berlin Blog sagt Hallo!

Blogonade Hier gibt es frische Geschichten, wie sie nur das Leben schreibt. Mein Blick auf die Stadt, die Medien, die Welt.

Viel Vergnügen
Lukas Bischofberger

21. August 2011 ~ 0 Kommentare

Operation Hamsterkauf

Sammy wuchtet eine Kiste Champagner in den Einkaufswagen. Jetzt schnell um die Ecke, wo der Stapel mit den Pick-up-Keksen wartet. Noch zehn Sekunden! Mein Bruder hechtet zum Shampoo-Regal, greift sich eine Palette. „Schluss, aus!“, signalisiert der Marktleiter. Drei Minuten Speedshopping im LIDL sind vorbei. Und das hat sich gelohnt! Sammys Wagen ist randvoll: Kaffee, Olivenöl, Champagner, Schokolade. Nicht weniger als 295 einzelne Artikel mit einem Gesamtwert von 821,29 Euro hat er zusammengerafft. Kein Wunder, dass die Kasse noch piept, als der nächste Teilnehmer schon an den Start geht…

Fünf Kunden kamen im Rahmen des Gewinnspiels zur Wiedereröffnung des LIDL-Marktes am Neuköllner Maybachufer in den Genuss des Gratis-Einkaufes. Vor allem Kaffee und Schokolade waren beliebt. Ein Türke im Deutschland-Trikot lud sich den Wagen voller Scheiben-Käse. Mehr als 1000 Euro zeigte die Kasse bei ihm am Ende an. Und wofür der ganze Billig-Gouda? „Ich habe eine große Familie“, erklärte er stolz und fragte dann: „Und was habt ihr mitgenommen?“

Es zeigte sich deutlich: Wer sich auf das Speedshopping gründlich vorbereitet hatte, konnte am Ende deutlich mehr Produkte mitnehmen. Ein Rundgang durch den Supermarkt vor dem Start gehörte da fast schon zum Standard-Repertoire. Ernsthafte Speedshopper gehen noch weiter.

Hier deshalb vier Tipps für den optimalen Drei-Minuten-Einkauf:

1. Ziel formulieren

Während einige Speedshopper auf einen möglichst hohen Warenwert aus sind, greifen andere bevorzugt zu Produkten, die sie gerne mögen oder die sie sich sonst nicht gönnen. Das Ziel sollte vorher festgelegt werden, damit man sich beim hektischen Schnelleinkauf nicht verzettelt. Wichtig auch das Regelwerk: Dürfen ganze Paletten mitgenommen werden (optimal), sind Produkte ausgenommen (häufig Spirituosen, Zigaretten, Zeitschriften), gibt es attraktive Sonderposten?

2. Heiße Produkte auswählen

Attraktive Speedshopping-Produkte zeichnen sich durch einen hohen Wert bei vergleichsweise handlicher Packungsgröße aus. Das sind meistens Luxusgüter: Kaffee vereint einen hohen Wert in sich. Fleisch, Fisch, Wein und Süßigkeiten auch. Unattraktiv für Schnellkäufer sind billige Produkte (Nudeln) oder solche mit unhandlichen Verpackungen (Toilettenpapier). Wichtig auch persönliche Präferenzen: Wer keine Dosen-Makrelen mag, sollte sich nicht den ganzen Wagen damit vollladen.


Was für den Laien nach wirrem Gekritzel aussieht, ist für den erfahrenen Speedshopper der Plan zum optimalen Drei-Minuten-Einkauf

3. Schlachtplan entwickeln

Zu einer ausgeklügelten Vorbereitung gehört ein fundierter Schlachtplan nach ISO-Norm 20779B. Mehrere Tage vor dem Termin bereits durch den Markt gehen und eine Skizze der Regalreihen anfertigen. Die gewünschten Produkte markieren. Schnell wird deutlich: In einigen Gängen liegen viele attraktive Sachen, andere sind dagegen Zeitfallen. Hot Zones des Marktes werden farbig markiert – hier gibt es viel Gutes auf einmal! Vorsicht vor den Risikozonen: Vor dem Obst- und Gemüseregal parken unbedarfte Kunden gerne ihre Wagen, versperren dem ambitionierten Speedshopper den Weg. Zeitverlust von mehreren Sekunden droht! Anhand der Karte entscheidet man sich dann für die beste Route. Nicht zu viel vornehmen: Drei Minuten sind schneller vorbei als man denkt.

4. Der Tag des Wettkampfes

Vor dem Start noch einmal die geplante Route durchgehen und im Kopf visualisieren. Aufwärmübungen machen. Smalltalk mit den anderen Teilnehmern führen. Dann geht es an den Start: Schnell zum ersten Regal sprinten. Wo möglich, immer ganze Paletten greifen, da sich diese besser im Einkaufswagen stapeln lassen. Liegen nur zwei bis drei Meter zwischen den Zielprodukten, den Wagen kurz stehen lassen. Auf die Route konzentrieren. Kurz vor Schluss: Nicht stehenbleiben, sondern im direkten Umfeld willkürlich Sachen in den Wagen packen. Am Ende entscheidet manchmal eine Tütensuppe über Sieg oder Niederlage.

19. August 2011 ~ 0 Kommentare

Werbung an Bord

Da liege ich doch gestern nach Feierabend noch im Treptower Park am Ufer und schaue aufs Wasser. Plötzlich schiebt sich eine Werbewand ins Bild. Was ist denn nun los? Das Wirtschaftsmagazin brand eins hat sich ein kleines Motorboot gemietet, es mit Werbetafel für das neue Heft ausgestattet und lässt es nun von zwei Studenten (Vermutung) das Spreeufer entlangfahren. Eine sehr coole Werbeidee, wie ich finde, die noch dazu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bleibt nur zu hoffen, dass jetzt nicht alle Firmen auf den Zug äh das Boot aufspringen. Sonst fährt bald eine Reklametafel nach der anderen am Treptower Ufer vorbei – und man sieht nur Werbung statt Wasser.

07. August 2011 ~ 2 Kommentare

Beim Zwei-Klassen-Friseur

Normalerweise muss ich beim Friseurbesuch keine schwierigen Entscheidungen treffen: 10 Euro. Cut and go. Das ist alles. Umso erstaunter war ich, als ich letzte Woche im hessischen Marburg einen Low-Cost-Coiffeur namens „Hairdome“ betrat. Dort sind die Friseure nämlich in zwei Typen aufgeteilt: Während so genannte Jung-Stylisten einem für 10 Euro die Haare schneiden, greifen „Top-Stylisten“ erst bei 15 Euro zur Schere. Doch wo liegt der Unterschied?

Ich fragte eine junge Frau, die sich als Jung-Stylistin zu erkennen gab. Sie erzählte mir, dass sich hinter dem neumodischen Begriff die Auszubildenden des Betriebes verbergen. Die würden schlechter bezahlt und müssten des Öfteren nach Feierabend noch die ganzen Haare zusammenfegen. Die Top-Stylisten, so hörte ich heraus, fühlten sich hingegen als etwas Besseres und sähen derlei Putztätigkeit nicht als notwendig an. Kurz gesagt: In dem Laden hatte sich zwischen Schere und Schaumspülung anscheinend so etwas wie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft etabliert.

Nun stand ich vor dem Dilemma: Sollte ich die armen Friseur-Azubis unterstützen und zehn Euro bezahlen oder meine Wertschätzung gegenüber dem Beruf zum Ausdruck bringen und einen „faireren“ Lohn von fünfzehn Euro für eine „Top-Stylistin“ bezahlen? Beides auf einmal würde nicht gehen: Meine Mähne war zwar schon ziemlich lang gewachsen, aber für zwei Haarschnitte würde es nicht reichen.

Am Ende siegte der Pragmatismus: Ich ließ mir von der Junior-Stylistin die Haare schneiden, sparte fünf Euro und habe damit glaube ich (Achtung Wortspiel!) einen ganz guten Schnitt gemacht. Sicher saß noch nicht jeder Handgriff der „Haarzubine“ perfekt, das Schneiden dauerte insgesamt länger. Mit dem Resultat bin ich dennoch zufrieden.

Nur das merkwürdige Gefühl blieb nach dem Besuch beim Zwei-Klassen-Friseur. So ganz natürlich ist das doch nicht, dass ein und dieselbe Dienstleistung im gleichen Geschäft unterschiedlich viel kostet. Außerdem: Wie wäre es denn, wenn sich dieses Prinzip bald auch in anderen Branchen durchsetzt? Denken wir ans Eiscafé: Kosten die Kugeln bald unterschiedlich viel, je nachdem ob sie ein Junior- oder Senior-Eismann in die Tüte formt? Oder an Piloten: „Hallo und willkommen auf ihrem Flug nach Madrid, heute fliegt unser Azubi für Sie. Dafür kosten die Tickets auch nur die Hälfte. Wir wünschen einen angenehmen Flug.“ Dann doch lieber einen ganz einfachen Schnitt. Cut and go.

03. August 2011 ~ 0 Kommentare

Hängt die Grünen höher

Nicht überall sind die Grünen so beliebt wie in Friedrichshain-Kreuzberg. Gesehen in Marburg (SPD-regiert). Ganz neu ist der Spruch aber nicht: Ursprünglich stammt er wohl von Mehmet Scholl, der ihn äußerte, als er 1994 nach seinem Lebensmotto gefragt wurde.

18. Juli 2011 ~ 0 Kommentare

Wirrwarr am Bahn-Automaten


Achtung am Bahn-Automaten: Wenn man hier nicht aufpasst, hat man schnell einen kostenpflichtigen Sitzplatz reserviert.

Vor einiger Zeit wollte ich einen Flug bei Billigairline TUIfly buchen. Nach der Eingabe der üblichen Daten forderte das Formular mich auf, mir jetzt einen Sitzplatz im Flieger auszusuchen. An sich ein guter Service, dachte ich. Der Trick: Sobald man einen der Plätze auf dem Übersichtsplan des Flugzeuges anklickte, wurde automatisch eine Sitzplatzreservierung für 12 Euro hinzu gebucht. Unbedarften Reisenden wurde durch die vorangestellte Aufforderung suggeriert, dass sie andernfalls ohne einen Sitzplatz mitfliegen würden (was natürlich Quatsch ist). Der Trick mit dem Sitzplatz ist nur einer von vielen bei den Low-Cost-Airlines: Unnötige Versicherungen, Gepäckzuschläge oder Zusatzkosten für fast alle Zahlungsarten sind an der Tagesordnung.

Neuerdings bedient sich jetzt offenbar die Deutsche Bahn im Repertoire der Billigflieger. Und das sieht so aus: Ich wollte mir am Automaten in Berlin-Spandau eine Fahrkarte nach Hamburg kaufen. Der Preis (26,50 Euro mit Bahncard) wurde zunächst auch korrekt angezeigt. Kurz vor der Bezahlung, ich hatte die EC-Karte schon im Anschlag, zeigte der Bildschirm plötzlich 29 Euro an. Immerhin 2,50 Euro mehr als vorher!

Verwundert klickte ich auf dem Touchscreen zurück und musste einige Momente nach dem Grund für den plötzlichen Preissprung suchen: Im Menü kann man auswählen, ob man Bahn-Bonuspunkte sammeln möchte oder nicht. Obendrüber geht es um Reservierungen. Hier verbirgt sich der unscheinbare Satz: „1 Platz reserviert für Einfache Fahrt. Hinfahrt 2,50 €.“

Nun sind Sitzplatzreservierungen auf den meisten Strecken ja so ziemlich das Nutzloseste was es gibt. Die Strecke Berlin-Hamburg ist zum Beispiel fast nie ausgebucht. Ich habe bisher immer problemlos einen Platz bekommen. Es ist also einigermaßen dreist, dass die Bahn die kostenpflichtige Sitzplatzreservierung einfach automatisch mit dazu bucht.


Der einzige Hinweis auf die (kostenpflichtige) Reservierung auf dem Abschlussbildschirm. Dass 2,50 Euro aufgeschlagen wurden steht hier nirgends.

Und das geschieht noch dazu auf ziemlich intransparente Weise: Während man das Sammeln der Bahn-Bonuspunkte im gleichen Menü bequem mit einem Tastendruck aktivieren oder deaktivieren kann, muss man für das Löschen der Sitzplatzreservierung zunächst auf die dazugehörige Schaltfläche „ändern“ klicken und erhält erst dann in einem weiteren Menü die Option ohne Reservierung zu reisen. Wenn man in Eile ist oder sich mit Automaten nicht gut auskennt, übersieht man die ungewollte Reservierung schnell und zahlt am Ende drauf. Ähnlich geht es vermutlich vielen älteren Menschen, welche den höheren Preis dann vermutlich einfach hinnehmen. Keine schöne Sache.

Nicht einfacher wird die Geschichte allerdings dadurch, dass die Menüs in den DB-Automaten sich offenbar je nach Vorlaufzeit der Buchung und nach Wahl des Zuges anpassen und unterschiedlich aussehen: Mal ist die Reservierungs-Schaltfläche nicht automatisch angewählt, dann wieder erscheint ohne Zutun ein extra Bildschirm, in dem man direkt Abteil oder Großraumwagen, Fenster- oder Gangplatz auswählen kann. Wann welcher Bildschirm erscheint, weiß wohl nur die Bahn.

Wieso gibt es für das Reservieren eines Sitzplatzes im Automaten mindestens drei verschiedene Menüs? Wieso ist die Platzreservierung mal automatisch mit gebucht und mal (fairerweise) optional? Das Wirrwarr der unterschiedlichen Darstellungsformen in den Fahrkartenautomaten erweckt den Eindruck, dass die Bahn vielleicht einfach selbst den Überblick über ihre Reservierungen verloren hat. Der Schaffner würde sagen: „Leider konnten durch einen Systemfehler heute keine Reservierungen übertragen werden. Bitte setzen Sie sich einfach auf einen freien Platz.“

07. Juli 2011 ~ 0 Kommentare

Die dünnsten Geschichten der Welt

Gestern in der GMX-Redaktion:

Chef vom Dienst: „Wir brauchen noch eine Geschichte für den Aufmacher! Irgendwelche Ideen?“
Redakteur (kramt in Unterlagen):„Strauß-Kahn?“
Chef vom Dienst: „Hatten wir schon x mal, das klickt nicht mehr.“
Redakteur: „Griechenland-Krise?“
Chef vom Dienst: „Verstehen unsere Leser eh nicht. Das muss simpel sein!“
Redakteur: „Wie wäre mit einer Klickstrecke?´“
Chef vom Dienst: „Schon besser…aber zu welchem Thema denn?“
Redakteur (grübelnd): „Hm…Tierbabys hatten wir schon…Bikinimädels auch. Aber wie wäre es mit: Die schmalsten Häuser der Welt“
Chef vom Dienst (stirnrunzelnd): „Kriegen wir da mehr als fünf Fotos zusammen?“
Redakteur (klickt sich schon durch die Datenbank): „Aber klar doch. Da gibt es eins in einem Kaff bei London und hier Entwürfe für ein 1,52 Meter Haus in Polen…oder dieses hier: Ein dreieckiges Haus irgendwo in China.“
Chef vom Dienst: „Dann los! In einer halben Stunde will ich das Ding auf der Startseite sehen! Bin mal gespannt ob wir damit den bisherigen Favoriten „20 süße Hundewelpen“ vom Klick-Thron kegeln.“ (lacht in sich hinein)

So kam es vermutlich, dass GMX.de am 6. Juli mit dem Artikel “Die schmalsten Häuser der Welt” aufmachte.