Das Blogonade Berlin Blog sagt Hallo!

Blogonade Hier gibt es frische Geschichten, wie sie nur das Leben schreibt. Mein Blick auf die Stadt, die Medien, die Welt.

Viel Vergnügen
Lukas Bischofberger

03. Juli 2011 ~ 2 Kommentare

Wo übernachten in Berlin?

Hat man sich für eine Reise nach Berlin entschieden, beginnt die Qual der Wahl: Hotel oder Hostel, Pension oder Privatzimmer, Apartment oder Ferienwohnung? Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Stadt selbst.

Ein großer Vorteil von Apartments und Ferienwohnungen ist die freie Zeitgestaltung. Im Hotel gibt es das Frühstück meist nur bis 10 Uhr – für Langschläfer wird es da schon knapp. Und auch danach hat man kaum Ruhe auf dem Zimmer, es sei denn man schaut dem Zimmermädchen gerne beim Staubsaugen und Handtuch wechseln zu.

Hinzu kommt die Ausstattung: Mehr als eine Minibar ist im Hotel nicht drin. Wer kostensparend selbst kochen möchte, der kommt um eine Ferienwohnung eigentlich nicht herum. Nicht zuletzt bietet ein Apartment mehr Platz und eher das Gefühl, an einem Ort zuhause zu sein.

Eine Seite, um Apartments in Berlin zu buchen ist http://www.tc-apartments-berlin.de/. Vierzehn Häuser mit jeweils mehreren Wohnungen stehen in den zentralen Bezirken Schöneberg, Tiergarten, Mitte und Prenzlauer Berg zur Wahl. Wer einmal am Rand von Berlin übernachtet hat, der weiß wie wichtig die Lage in der Hauptstadt ist. Gerade zum abends nochmal weggehen sind Mitte und Prenzlauer Berg für Touristen sehr gut geeignet.

Die Ausstattung der Wohnungen ist hell, modern und freundlich. Das ein oder andere Möbelstück hat man aus dem IKEA-Katalog vielleicht schon lieben und schätzen gelernt und auch die Wände sind ansprechend dekoriert. Wo es möglich war, wurde der Dielenboden erhalten. Das lässt die Apartments sehr wohnlich wirken.

Preislich geht es ab 45 Euro für ein einzelnes Zimmer los, größere Wohnungen kosten natürlich mehr. Anders als beim Hotel kommt noch die Endreinigung dazu, bei mehreren Nächten fällt diese aber mit 25 Euro kaum noch ins Gewicht.

Alles in allem sind Ferienwohnungen und Apartments eine interessante Alternative, um in Berlin bequem zu übernachten.

03. Juli 2011 ~ 1 Kommentar

Einmal Budweis und zurück

Budweis, früher Nachmittag: Eine österreichische Reisegruppe hat die Führung durch die Budweiser-Brauerei gebucht. Die ersten Biere des Tages haben sie ganz offensichtlich bereits während des vorangegangenen Mittagessens verkostet – nun stehen die Österreicher aufgeregt schnatternd im sterilen Vorraum des Besucherzentrums. In einer langen Vitrine werden überteuerte Biergläser und Humpen mit Brauereilogo zum Kauf angeboten. Eine Weltuhr zeigt die Zeit in Budvar, Moskau, Tokyo und New York an. Jedenfalls theoretisch, denn die Zeiger stehen eingefroren auf 12 Uhr. Die Österreicher stört das nicht, sie sind wegen dem Bier hier.

Der Führer, ein rundlicher Tscheche im mittleren Alter, erklärt die verschiedenen Sorten. Er rattert Lagerzeiten und Alkoholgehalte herunter und empfiehlt besonders das Starkbier („Danach schlafen Sie wie ein Baby“). Dann geht es auf das Betriebsgelände: An großen Lagertanks vorbei marschiert die Gruppe ins Sudhaus. In kupfern glänzenden Kesseln wird aus Malz und Wasser die Maische gekocht und so der Sud für das Bier hergestellt. „Puuh, ist das warm hier“, stöhnen die Österreicher. Einige Frauen halten sich angewidert Tücher vor die Nase, äußern ihren Unmut über den gärigen Biergeruch. Der Führer erläutert unbeirrt den Brauprozess, kämpft um die Aufmerksamkeit der Gruppe. Aus seiner Sicht ist Hopfen und Malz noch nicht verloren.


1,3 Millionen Hektoliter Bier werden hier jedes Jahr hergestellt – etwa die Hälfte davon trinken die Tschechen selber, der Rest wird in alle Welt exportiert. Unter dem schönen Kupfer verbirgt sich ein Edelstahlkessel.

Vom warmen Sudhaus geht es in den Lagerkeller. Kalt ist es hier, die Temperaturen liegen kaum über dem Gefrierpunkt. Die Österreicher bibbern. Freudig zapft ein Kollege des Führers ein Bierfass an, lässt das junge Gebräu in Plastikbecher laufen. Zähneklappernd nehmen die Österreicher die Becher in Empfang. Der Bierdurst hält sich in Grenzen. „Es soll nichts übrig bleiben“, ruft der Führer und nimmt sich selbst noch einen Becher.

So viel Bier, so wenig Mitarbeiter: Das Flaschenkarussel im Video

Die Flaschenabfüllanlage ist sicherlich der faszinierendste Teil der Führung: In wahnsinniger Geschwindigkeit werden hier bis zu 40.000 Flaschen pro Stunde gewaschen, befüllt und mit Etiketten beklebt. Sogar eine Maschine für die automatische Verpackung in Sixpacks gibt es. Klimpernd werden die Flaschen auf dem Laufband in Position geschoben, die vorgestanzte Pappe gleitet von oben heran, wird gefaltet und verklebt. Jeweils vier Sixpacks passen in eine Kiste, auch das läuft vollautomatisch. Laut ist es hier, aber das hört kaum jemand: Die wenigen Mitarbeiter müssen nur eingreifen, wenn es nicht rund läuft und sich etwa Flaschen auf den Laufbändern verhaken. Fasziniert knipsen die Österreicher Fotos, posieren vor dem Maschinenpark. Doch der Führer drängt zur Eile, eine Stunde ist schließlich fast rum. Draußen im Besucherzentrum wartet schon die nächste Gruppe auf ihren Ausflug in das Land des Bieres.

Noch ein Video: Trotz der vielen Flaschen entsteht kein Stau

Mehr Bier? Auf der Budvar-Webseite gibt es eine virtuelle Tour durch die Brauerei mit 360°-Ansichten und deutschen Texten.

14. Juni 2011 ~ 3 Kommentare

Im Schwimmbad auf der Überholspur

Jedes Mal, wenn ich ins Schwimmbad gehe, ärgere ich mich über die rücksichtslosen Krauler. Ohne sich auch nur einmal umzusehen, durchpflügen sie das Becken und lassen die Wellen hochschlagen. Rüde rempeln sie andere Badegäste beiseite, wechseln wild zwischen den Bahnen hin und her und tun so als wenn das Becken ihnen ganz alleine gehört. Egal ob man ins Freibad geht oder in die Schwimmhalle – die Wildkrauler sind schon da.

Grob gesagt lassen sich Schwimmer ja in zwei Gruppen einteilen: Die einen sehen das Schwimmen als Sport. Sie zählen die Bahnen oder die Zeit, versuchen so schnell wie möglich, die 25 oder 50 Meter lange Bahn zurückzulegen. Zu ihnen zählen auch die Krauler, welche ihren ausladenden Schwimmstil zur besonders schnellen Bewältigung der Strecke einsetzen. Die anderen Schwimmer, zu denen auch ich zähle, schwimmen dagegen als Freizeitvergnügen und zur Entspannung. Nach einem langen Arbeitstag ist es mir egal, ob ich fünf Sekunden länger brauche und wie oft ich den Rand am Ende des Beckens berühre. Auch mein Schwimmstil, so ich einen habe, ist wohl eher das klassische Brustschwimmen. Gelegentlich schwimme ich auch auf dem Rücken, aber dann muss das Becken schon sehr leer sein.

Kein Wunder aber, dass sich zwei so unterschiedliche Schwimmergruppen schnell ins Gehege kommen. Die Wellness-Schwimmer stehen den Sportkraulern diametral gegenüber. Doch das müsste nicht sein, wenn es im Schwimmbad ein Zwei-Bahnen-System gäbe.

Und das geht so: Während die langsameren Wellness-Schwimmer sich konsequent rechts halten, stehen den Sportschwimmern die linken Bahnen als eine Art Überholspur zur Verfügung. Das Prinzip kennen wir als „Rechtsfahrgebot“ vom Straßenverkehr. Langsame PKW und LKW ordnen sich rechts ein, lassen den schnelleren Fahrern die linken Spuren zur Beschleunigung. Bis auf wenige Ausnahmen funktioniert dieses System insgesamt ganz gut. Ich finde, wir brauchen ein „Rechtsschwimmgebot“ in den Hallen- und Freibädern. Was meint ihr?

29. Mai 2011 ~ 1 Kommentar

Auf Seelenfang im Social Web


Screenshot von free-persoenlichkeitstest.de

Auf Facebook wird viel Werbung gemacht: Für Luxusvillen auf Fuerteventura, für Männerdeos, für Onlinespiele und seit Neuestem für Scientology. Auf den ersten Blick wirkt die Anzeige wie eine von vielen: „Erkenne dich selbst. Ein professioneller Test. Völlig kostenlos!“, steht dort. Ähnliche Psychotests kennt man aus Zeitschriften und von diversen Onlineseiten. Man beantwortet einige Fragen und erhält eine mehr oder weniger passende Einschätzung der eigenen Person, häufig in spaßhafter Form. Doch diese Testseite ist anders: Alle Antworten gehen direkt an Scientology.

Und die Sekte will so einiges von ihren potenziellen Neumitgliedern wissen: Nicht weniger als 200 (!) Fragen  gilt es zustimmend, neutral oder ablehnend zu beantworten. Klick für Klick verrät man so ziemlich viel über sich und seine Schwächen: „Haben Sie eher einen kleinen Kreis von engen Freunden, anstatt viele Freunde und flüchtige Bekannte?“ – „Ziehen Sie in einem Club oder einer Organisation, der Sie angehören, eine passive Rolle vor?“ – „Sind Sie zeitweilig ohne einen offensichtlichen Grund traurig und deprimiert?“

Andere Fragen wirken hingegen eher absurd und dienen offenbar dazu, von den wahren Zielen des Tests abzulenken. So lautet etwa Frage 3: „Blättern Sie einfach zum Vergnügen in Eisenbahnfahrplänen, Telefonbüchern oder Wörterbüchern?“ – Klar logisch, wer tut das nicht ständig? Wobei es ja mittlerweile verdammt schwer geworden ist, überhaupt noch gedruckte Fahrpläne zu bekommen.

Am Ende möchte Scientology Berlin den vollständigen Namen, Alter, Geschlecht, E-Mailadresse und  Telefonnummer des Teilnehmers wissen. „Ihre Kontaktdaten werden nur verwendet, um Sie über das Testergebnis zu informieren und Ihnen eine persönliche Auswertung zu ermöglichen“, verspricht die Sekte. Ziel ist es offenbar, die Teilnehmer zu einem persönlichen Gespräch einzuladen. Dort wird einem dann erklärt, dass es natürlich gar nicht gut mit der eigenen Persönlichkeit steht. Nur einige Seminare bei Scientology können noch helfen…

Die Umfrageseite ist Teil der Social-Media-Strategie der Organisation. Die Sekte sei „auf dem Weg ins Kinderzimmer“, warnt der Verfassungsschutz. Mit Kampagnen wie „Jugend für Menschenrechte“ oder „Sag nein zu Drogen – sag ja zum Leben“ werbe sie gezielt im Social Web um Mitglieder. Und das häufig unter dem Deckmantel von gut klingenden Tarnorganisationen. „Sowohl mit offenen als auch verdeckten Nutzerprofilen geht ‘Scientology’ in Sozialen Netzwerken auf Kundenfang“, heißt es im Verfassungsschutzbericht.

Ob die aktuelle Werbekampagne bei Facebook wirklich erfolgreich ist, darf bezweifelt werden. Wer beantwortet online schon gerne 200 persönliche Fragen am Stück? Der Psychotest ist kaum auf das Medium Internet zugeschnitten. Wo andere Seiten mit Gutscheinen und glitzernden Gewinnen locken, bietet Scientology nur ein buntes Diagramm und ein Werbegespräch an. Nicht gerade das, worauf man als junger Social-Media-Nutzer gewartet hat. Die deutschsprachigen Scientology-Seiten bei Facebook haben eine recht überschaubare Fanbasis: So hat etwa die Gruppe „Jugend für Menschenrechte“ ganze 19 Mitglieder.

Auch die eigentlichen Kampagnenseiten zu Menschenrechten und Drogen wirken wenig ansprechend: Statt Interaktion gibt es synchronisierte Videoclips aus den USA und eine PDF-Broschüre zum Download. Deren Aufmachung mit spirituell-kitschigen Bleistiftbildern und der Schriftart Comic Sans wirkt wie aus einer anderen Zeit (oder Welt). Jugendliche erreicht man so vermutlich nicht.

Nichtsdestotrotz sind die Seiten in Suchmaschinen sehr präsent. Unter dem Stichwort „Menschenrechte“ ist die Scientology-Tarnseite bei Google unter den ersten drei Ergebnissen. Wer seine Schulreferate aus Wikipedia zusammenkopiert und nach einer weiteren „Quelle“ sucht, der landet schnell bei der Sekte. Doch von dort bis zu einer Spende (bzw. einer Fördermitgliedschaft) ist es ein weiter Weg.

Was lernen wir daraus: Scientology ist im Internet zwar präsent, doch die Sekte wird dadurch nicht zwingend gefährlicher. Ihre Angebote sind für Jugendliche nicht attraktiv, sie erreichen nur eine geringe Resonanz und lassen sich mit Medienkompetenz und etwas gesundem Menschenverstand leicht enttarnen. Letztlich ist das die gute Nachricht.

02. Mai 2011 ~ 1 Kommentar

Regen-Rabatt für Wasserratten

Seit kurzem sind wieder einige Freibäder in Berlin geöffnet und man muss kein Hellseher sein, um zu prophezeien, dass es ein eher mauer Start in die Saison sein wird. Wer bezahlt schon vier Euro Eintritt, um durch kalten Nieselregen hindurch ins Becken zu flüchten und hinterher auf der Liegewiese eine Schlammparty zu veranstalten?

Sicher gibt es einige Unverbesserliche, die allen Naturgewalten trotzend, weiter ihre Bahnen schwimmen. Vor allem Rentner sind bekanntlich ja mit allen Wassern gewaschen. Aber auch Sportschwimmer können als hartgesotten gelten. Alle anderen bleiben aber zuhause. Und so gilt die Faustregel: Wenn es draußen regnet, bleiben die Freibäder leer.

Die Statistik spricht ja per se schon gegen den Betrieb eines Freibades in Berlin: So hat ein durchschnittlicher Mai in der Hauptstadt exakt 13,9 Regentage. Das heißt, an fast der Hälfte der Tage regnet es. Auch im Juni wird es mit 14,3 Regentagen nicht besser. Erst im Juli regnet es seltener.

Die Berliner Bäderbetriebe stehen dem Phänomen der Regentage weitgehend hilflos gegenüber: Zwar gibt es dieses Jahr ein „flexibles Öffnungszeitenmodell“, aber das bedeutet lediglich, dass die Freibäder versetzt geöffnet werden. Ist ein Freibad einmal offen, bleibt es auch dabei. Und wenn es regnet, dann kommt halt niemand. Die Bademeister sitzen gelangweilt am Beckenrand und falten kleine Schiffchen aus den Zipfeln ihrer BZ, die im Regen doch gleich wieder zu Papiermatsch zerfallen.

Dabei wäre die Lösung doch ganz einfach: Regentickets! An Tagen an denen es regnet, sollte der Eintritt ins Freibad nur die Hälfte kosten. Meinetwegen auch nur dann, wenn eine bestimmte Menge an Regen fällt. Gerade unentschlossene Schwimmer und Sparfüchse könnte ein Regen-Rabatt wieder in die Freibäder locken. Wem ein paar Tropfen von oben nichts aus machen, kann schwimmen und dabei auch noch Geld sparen. Auf der Webseite des Schwimmbades müsste natürlich vorher schon stehen, ob es sich um einen Regentag handelt oder nicht.

Ökonomisch ließe sich natürlich argumentieren, dass die Kosten für den Betrieb eines Schwimmbades immer ungefähr gleich bleiben, egal ob es regnet oder nicht. Bei reduzierten Preisen müsste das Bad sogar mehr Gäste anziehen, um seine Kosten zu decken. Ich denke dennoch, dass die Vorzüge der Regentickets überwiegen: Stellt euch mal vor, ihr seid Schlittenhändler und wollt im prächtigsten Hochsommer einen Schlitten verkaufen. Ohne starken Rabatt werdet ihr sehr lange suchen müssen, um einen Abnehmer für euren Ladenhüter zu finden. Ähnlich ist es auch bei den Freibädern. Nur mit Regentickets bekommt man die Berliner Freibäder auch bei schlechtem Wetter voll.

21. April 2011 ~ 2 Kommentare

Klapperkonzert auf zwei Reifen

Kaum scheint die Sonne wieder, ist auch dieses Geräusch wieder da: Es klackert, rattert, rasselt, scheppert, rumpelt und kracht, dass es eine wahre Freude ist. Die Fahrradsaison ist eröffnet und das ist in Kreuzberg meist eine lautstarke Angelegenheit. Grund hierfür ist der Pflegezustand vieler Räder, der knapp oberhalb der Kategorie „noch fahrtüchtig“ rangiert. Also klappert das Rückblech, quietschen die Pedale, schleift die Kette bei jeder Fußbewegung.

Wer im bürgerlichen Charlottenburg oder im biederen Zehlendorf aufgewachsen ist, der kennt solcherlei Geräusche ja kaum. Fahrräder sind dort vor allem als rund laufende geräuscharme Fortbewegungsmittel bekannt. Allenfalls das leichte Sirren der Gangschaltung (18 Gänge plus) ist zu hören und vielleicht noch das leise Schnaufen des Radfahrers, wenn er sich die Steigung auf den Teufelsberg hinauf quält. Wo in Wilmersdorf eine jährliche Inspektion auf dem Programm steht, wird in Kreuzberg das Fahrrad genau einmal inspiziert – nämlich beim Kauf. Und so scheinen sich auch die Händler in der Umgebung weniger auf die Reparatur bestehender Bikes als auf den Verkauf von Gebrauchtfahrrädern spezialisiert zu haben.

Nicht nur dort wechseln Räder schnell ihren Besitzer: Wer seinen Drahtesel am Görlitzer Park abstellt, sollte besser nicht nur Rahmen und Vorderrad, sondern alle irgendwie abschraubbaren Teile des Rades mit einem Schloss sichern. Die Galerie an halbzerlegten Rädern vor dem Schwimmbad am Spreewaldplatz spricht hier Bände.


Hier muss die Fahrradmanufaktur wohl noch mal von vorne anfangen: Rad am Spreewaldplatz

Unvergessen auch der Tag, als ich schwerbepackt aus dem Lidl kam. „Hey, möchtest du Fahrrad kaufen?“, fragte mich ein Farbiger und wollte mir ein braunes Herrenrad andrehen. Für 30 oder 40 Euro hätte ich es haben können. Mit Transportkorb, aber ohne Schloss.

Es ist nicht nur die Saison der Fahrradfahrer, sondern auch der Fahrraddiebe. So mancher schützt sein Rad mittlerweile nach der „Kreuzberger Formel“. Das heißt: Preis des Schlosses = Fahrradwert mal zwei. Und jeder kennt irgendjemanden, dem ist trotzdem das Rad abhanden gekommen. Auftauchen tun die Bikes dann im Internet (u.a. Ebay Kleinanzeigen, Zweite Hand) oder auf Flohmärkten wie im Mauerpark. Wer sein geklautes Rad wieder haben möchte, dem wird hier ein guter Preis gemacht.

Und während das Stadtmagazin Zitty in seiner letzten Ausgabe die Vorzüge eines Fahrrades gegenüber einer Seifenkiste anpreist („in ihrer Nutzung weitaus eingeschränkter“), den „Schönheits-Vorsprung eines klapprigen Drahtesels vor einem nagelneuen Porsche 911“ erkannt zu haben glaubt  und auf den folgenden zehn (!) Seiten Fahrradfahrer vorstellt, die tatsächlich zu Uni oder zur Arbeit mit dem Rad fahren (wer hätte das gedacht, liebe Zitty!), gehe ich bisher noch zu Fuß. Mein Baumarktfahrrad mit drei Gängen steht nämlich noch im Keller. Es ist einfach nicht kreuzbergtauglich: Es klappert nämlich nicht. Kein Scheppern und Rasseln, wenn man über den Asphalt brettert. Irgendwie muss ich da noch mal ran; ein paar Schrauben lösen, das Öl von der Kette wischen und die Pedale zum Quietschen bringen. Dann kann der Fahrradsommer kommen.